#3 Einzelinterview: Hermann Ploppa zu Eugenik, Euthanasie – Schnee von gestern oder brandaktuell?

Eugenik und Euthanasie sind mehr als “nur” das Dritte Reich allein. Sie reichen viel weiter zurück und ersteres geht auf den britischen Anthropologen Francis Galton (1822–1911) zurück, der den Begriff bereits 1869 und 1883 für die Verbesserung der menschlichen Rasse bzw. “die Wissenschaft, die sich mit allen Einflüssen befasst, welche die angeborenen Eigenschaften einer Rasse verbessern” prägte.

Viele glauben, dass mit dem Ende des Nationalsozialismus auch der Irrglaube der Eugenik zu Ende ging. Doch in den Ethiken bzgl. Transhumanismus und Posthumanismus spielt Eugenik bis heute eine große Rolle. Statt durch Sterilisation oder gar Mord erhoffen sich deren Anhänger eine “bessere Menschheit”, indem mittels Genmanipulation und/oder dem Einsatz von neuen Technologien (bis hin zur Verschmelzung von Mensch und Maschine) neue, bessere, gesündere Kinder geboren werden.

Eugenik hat seinen Ursprung im Denken einer kleinen, elitären Gruppe an Menschen, die von sich glaubte über anderen Menschen zu stehen. Dieser Glaube ging sogar so weit zu denken, dass man auch das Recht besaß, anderen, aus anderen Gesellschaftsschichten stammenden Menschen das Existenz- bzw. Fortpflanzungsrecht nehmen zu können.

Heute mag es keine offenen Forderungen bestimmter Kreise mehr nach Euthanasie und Sterilisation geben, aber die “Grundideen” sind aktueller denn je.

Im Gesprae.ch wollte vom Autor und Politologen Hermann Ploppa wissen, in wie weit wir auch heute noch “Spuren” dieser “Grundideen” in unserem Gesellschaftssystem finden können:

Hermann Ploppa - Bildquelle: Hermann Ploppa
Hermann Ploppa – Bildquelle: Hermann Ploppa
Hermann Ploppa - Die Macher hinter den Kulissen - Bildquelle: Hermann Ploppa
Hermann Ploppa – Die Macher hinter den Kulissen – Bildquelle: Hermann Ploppa

Hermann Ploppa, Jahrgang 1953, ist Politologe und Autor. Er gilt als profunder Kenner der elitären Strukturen, insbesondere der angelsächsischen. In seinem 2008 erschienen Buch Hitlers amerikanische Lehrer – Die Eliten der USA als Geburtshelfer des Nationalsozialismus beschäftigte er sich eingehend mit dem bislang eher unbekannten Einfluss US-amerikanischer Stiftungen und Autoren auf den Nationalsozialismus.

Mit Die Macher hinter den Kulissen – Wie transatlantische Netzwerke heimlich die Demokratie unterwandern thematisierte er 2015 erneut die Machtstrukturen einer verdeckt agierenden kleinen “Kaste der Macher”.

2016 übersetzte und veröffentlichte Hermann Ploppa zusammen mit Jochen Mitschka das Buch Der schmutzige Krieg gegen Syrien des australischen Soziologieprofessors Tim Anderson. In diesem Buch wird das westliche Schwarz-Weiß-Narrativ von den guten “Rebellen” und dem diabolischen Horrordiktator Assad durch einen gründlichen Faktencheck hinterfragt und als Propaganda entlarvt. 2017 war Ploppa mit einem Aufsatz in dem Buch Fassadendemokratie und tiefer Staat vertreten.

Daneben verfasst Hermann Ploppa zahlreiche Artikel für unterschiedliche Online-Portale zu seinen Themen Strategien der US-Eliten, Aufstieg Chinas, deutsche Geschichte, neu gelesen und kommt inzwischen in mehreren Videointerviews alternativer Medien zu Wort und ist auf diese Weise einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden.

Im Gesprae.ch: Ausgehend von Henry Saint-Simons Forderung nach einem wissenschaftlich organisierten sozialistischen System, dem Positivismus und säkularen Humanismus von Auguste Comte und den “Prinzipien des wissenschaftlichen Management (Principles of Scientific Management)” von Frederick Taylor, entstand die Bewegung der Eugenik. Die Eugeniker glaubten, dass die menschliche Rasse durch “selektive Geburten” “verbessert”, und von einer kleinen Gruppe von Forschern und deren Unterstützern kontrolliert und gesteuert werden kann.

Wie kam es in jener Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts dazu, dass eine solche Idee en vogue werden konnte?

Hermann Ploppa: Dem widerspreche ich. Weder Saint-Simon noch Auguste Comte sind in irgendeiner Weise an der Entstehung der Eugenik beteiligt gewesen. Man muss hier die Genese der englischen Eugenik von der Genese der US-amerikanischen Eugenik klar unterscheiden. Galton in England war der Vetter von Charles Darwin. Galton war ein Universalgenie, der von der Wettervorhersage bis zur Erfindung der Ultraschall-Hundepfeife alles Mögliche und Unmögliche erfunden hat. Vor allem war er besessen von den Möglichkeiten der Statistik. Und hier gesellten sich zu seiner Genialität eben auch die Arroganz und das Sendungsbewusstsein der englischen Oberklasse. Er stellte fest, dass die erfolgreichen Persönlichkeiten der letzten Jahrhunderte in England aus einem ganz kleinen Kreis von Familien und Sippenverbänden stammten. Anstatt das mit der sozialen Exklusivität dieser Kreise – man könnte auch weniger fein von inzestuöser Selbstreferenz sprechen – zu erklären, schloss Galton, diese Überrepräsentation erkläre sich aus einer quasi genetischen Überlegenheit. Es ist also die Biologie, die über oben oder unten in der Gesellschaft entscheidet!

Die USA auf der anderen Seite waren immer geprägt von einem harten Verdrängungswettbewerb. Jedoch hatte sich eine selbsterwählte Elite von weißen, englisch geprägten Protestanten nach dem amerikanischen Bürgerkrieg an die Spitze der Gesellschaft gesetzt, und reproduzierte ihre Vorherrschaft in einem selbstreferentiellen Orbit. Diese Gruppe betrachtete sich selber als die Krone der Schöpfung. Man rechtfertigte seine Überlegenheit zunächst religiös durch den Calvinismus: dass jemand Erfolg hat, ist ein Zeichen, dass Gott ihn liebt. Liegt jemand jedoch auf der Straße, dann hat er nicht nur das Elend zu ertragen, nein, er ist auch noch obendrein von Gott verflucht!

Doch mit der Stärkung der Naturwissenschaften wurde diese Ideologie ausgetauscht durch biologische Rechtfertigungsstränge. Lange Zeit galt die Hypothese von Lamarck: im Leben erworbene Eigenschaften und Merkmale werden auf die nächste Generation vererbt. Doch der deutsche Biologe August Weismann hatte ein von ihm so genanntes “Keimplasma” ausfindig gemacht. Dieses Keimplasma verändert sich nur durch Mutation, es werden keine neu eingeschriebenen Informationen vererbt. Das passte besonders den Versicherungen und der arroganten Elite in den USA hervorragend in den Kram. Wie meine Mutter sagte: “Dumm bleibt dumm, da helfen keine Pillen!” Sozialprogramme braucht man nicht. Man muss nur das schlechte Keimplasma ausmerzen (eliminate) und das gute Keimplasma fördern. So einfach ist das. Nun begannen Programme von Regierung, Elite-Universitäten und so genannten philanthropischen Stiftungen. Die “Minderwertigen” (inferior) wurden fieberhaft gesucht und sodann kastriert, sterilisiert oder lebenslang weggesperrt, um ihre Reproduktion zu verhindern. Durch die Ausmerzung unrentabler Menschen hofften Versicherungen, am besten nur Beiträge einzusammeln, mit dem anvertrauten Geld an der Börse ein Vermögen zu machen, und so wenig Leistungen wie nötig auszahlen zu müssen.

Das war zunächst ein Projekt der Eliten. Die Bevölkerung wurde dazu gar nicht befragt, sondern trat nur als Opfer der Übergriffigkeit der Eliten auf. Später erst, in den 1920er Jahren, versuchte man durch Maßnahmen der Public Relations, eine eugenische Massenbewegung in den USA zu etablieren.

Wenn man von Eugenik und Euthanasie spricht, beschränkt sich dies heutzutage hauptsächlich auf die Zeit des Dritten Reiches und die Gräueltaten des Nationalsozialismus. Wenig bis nichts liest und hört man von den Ursprüngen. Man muss schon sehr tief graben, um an die Wurzeln zu gelangen.

Was bewog Sie bei Ihrem ersten Buch Hitlers amerikanische Lehrer – Die Eliten der USA als Geburtshelfer des Nationalsozialismus dazu sich dieses Themas anzunehmen? Gab es da einen bestimmten Auslöser? Oder war es schlichte journalistische Neugier?

Es war Letzteres. Ich fand im Internet jede Menge englischsprachige Texte, in denen von einer engen Verbindung zwischen Banken, Wissenschaft, Medien und Politik der USA mit der Nazi-Bewegung die Rede war. Teilweise der übliche verschwörungstheoretische Blödsinn von jüdischer, freimaurerischer oder kommunistischer Weltverschwörung. Aber auch eine respektable Minderheit von seriösen Quellen, die Hand und Fuß hatten.

Da sah ich schon die Möglichkeit, eine wissenschaftliche Lücke mit meiner Forschung zu füllen, und rechnete auch fest damit, auf entsprechend lebhafte Rezeption meines Buches zu treffen. Ich hatte mir bewusst nur einen begrenzten Teilbereich des gesamten Themenkomplexes der US-amerikanischen Kooperation mit den Nazis herausgegriffen, um in diesem Teilbereich möglichst faktenreich und archivbasiert auftreten zu können. Dass Hitler amerikanische Lehrer so komplett ignoriert wurde, machte mich dann sehr misstrauisch. Es war schnell klar, dass es in Deutschland eine Seilschaft in Forschung und Lehre, Politik und Medien gibt, die gewisse Tatsachen, und seien sie auch noch so unwiderleglich dokumentiert, nicht zur Kenntnis nehmen durften! Diesen Seilschaften oder feiner ausgedrückt: Netzwerken, bin ich sodann detektivisch nachgegangen, und herausgekommen ist mein zweites Buch Die Macher hinter den Kulissen.

Auf den ersten Blick voneinander unabhängige Themen wie Technokratie, Eugenik, Smart Cities, Smart Meter, Agenda 21, Agenda 2030, biometrische Identifikation, staatliche Kontrolle & Überwachung, Common Core oder Gentechnik, die von ganz unterschiedlichen Institutionen oder Gruppierungen voran getrieben werden, haben doch zum Teil sehr große Verbindungen und manchmal sogar Überschneidungen zueinander. Denn letztlich geht es bei all dem immer um Kontrolle. Sei es die Kontrolle der Bevölkerung in einem System der Überwachung oder die Kontrolle über die maximale Anzahl an Menschen auf der Welt, was ja auch der Idee der Eugenik zum Teil zugrunde liegt.

Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass die Menschen diese Verbindungen nicht erkennen können? Und welchen Anteil haben die Mainstreammedien dabei, die ja leider heute selten ein Thema kritisch hinterfragen oder gar Querverbindungen herstellen wollen?

Ganz wichtig sind die Techniken der Propaganda oder Public Relations. Die semantische Umpolung der Begriffe. Die Dekontextualisierung von Ereignissen. Wie ja schon der Titel meines Buches Die Macher hinter den Kulissen nahelegt, besteht ein wesentliches Element des Erfolgs der Strategien der Herrschenden darin, im Verborgenen zu arbeiten. Die langjährige Geschäftsführerin der Atlantikbrücke, Frau Beate Lindemann, hat das ja in kindlicher Offenheit klargemacht: “Man kann mehr erreichen, wenn man nicht in der Öffentlichkeit arbeitet.”

Oder nehmen wir die Marktradikalen oder fälschlich auch “Neoliberale” genannt. Sie haben sich schon vor dem Zweiten Weltkrieg zusammengetan, um in einem mehrere Generationen übergreifenden Projekt die Bevölkerung aus den politischen Entscheidungsprozessen wieder heraus zu drängen. Gerade hatte Präsident Roosevelt die Rechte der gemeinen Bevölkerung gestärkt. In Deutschland hatte ein Bündnis aus Bildungsbürgern und Arbeiterbewegung die Position von Arbeitern und Mittelstand massiv gestärkt. Die Marktradikalen Meisterdenker wie Friedrich von Hayek oder James Buchanan wussten nur allzu genau, dass eine erneute Enteignung und Entrechtung der Bevölkerung auf demokratischem Wege nicht durchsetzbar war. In einem Drei-Stufen-Plan seit 1938 galt es zunächst, das versprengte und geächtete Häuflein der Wirtschaftsliberalen wieder zusammenzuführen und zu einem aktionsfähigen Körper zu machen. Sodann wurden, unterstützt durch superreiche Sponsoren, über die Universitäten und Denkfabriken neue Multiplikatoren für die Besetzung von Schlüsselpositionen in Politik, Medien, Wissenschaft und Wirtschaft herangezüchtet.

Doch für sich alleine ist die marktradikale Ideologie zu trocken und blutlos, um die Menschen zu begeistern. Um Bewegungen zu entfachen. Die Marktradikalen übernehmen jedoch einfach bereits bestehende Bewegungen und erkaufen sich auf diese Weise willige kostenlose Mitstreiter und Mitläufer, die den Gegnern der Marktradikalen sodann das Leben schwer machen. So funktionierte es bei der Übernahme der Verteidiger der Rassentrennung in den Südstaaten der USA, später dann bei der Übernahme der Konservativen und der christlichen Fundamentalisten in den USA. So läuft es überall auf der Welt. In Indien verblüfft der hinduistische Fundamentalist Modi seine Anhänger durch eine marktradikale Rosskur. Trump setzt in den USA zum Todesstoß gegen die letzten Reste eines proaktiven, unabhängigen Staatsapparates an. Und in Deutschland sind die AfD-Kader weitgehend identisch mit der marktradikalen Friedrich von Hayek-Gesellschaft.

Die Mainstream-Medien in Deutschland legen hier eine ganz zynische Doppelbödigkeit an den Tag: zum einen haben sie durch die Förderung rechtspopulistischer Vordenker wie Thilo Sarrazin den Humus ausgelegt für eine rechte Volkspartei. Auch erwähnen wollen wir die schon seit Jahren währende Hetze eines Boulevardblattes mit den vier großen Buchstaben gegen Minderheiten, insbesondere Muslime. Und nun distanzieren sich genau diese Mainstream-Medien von jenen politpornographischen Ideologemen, die sie schlichtweg zu Pegida und AfD outgesourced haben. Scheinheilige Empörung, wobei empirische Studien belegen, dass die Mainstream-Medien den Protagonisten der AfD einen überproportional breiten Raum in ihren Top-Sendungen mit garantiert hohen Einschaltquoten reserviert haben. Ein abgekartetes Spiel.

Der erste Generaldirektor der United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization, kurz UNESCO, hieß Julian Huxley, Evolutionsforscher/-biologe, Philosoph und Autor. Er leitete die UNESCO von 1946 bis 1948. Sein Bruder Aldous Huxley, als Autor der Dystopie Schöne Neue Welt, dürfte der in der Öffentlichkeit bekanntere der beiden sein, war aber in den elitären Kreisen genauso tief verwurzelt wie dieser oder sein Großvater Thomas Henry Huxley. Er war zudem Mitbegründer des World Wildlife Fund (WWF) und galt als einflussreicher Befürworter der Transhumanismus-Bewegung. Doch weit beängstigender war seine Unterstützung der “Religion der Eliten”: der Eugenik. Huxley war prominentes Mitglied der British Eugenics Society, der er als Vize- und später als Präsident vorsaß. Er schrieb zahlreiche Essays zu seinem Lieblingsthema Eugenik und warum die Erde “entvölkert” werden muss. Im Essay The Humanist Frame von 1964 geht der ehemalige UNESCO-Generalsekretär auf seinen Wunsch ein, die Weltbevölkerung zu reduzieren:

“Die Welt hat die schwierige Aufgabe zu bewältigen, die Umkehr der Richtung seiner Gedanken bzgl. der Bevölkerung zu erreichen. Sie muss damit beginnen nachzudenken, dass es unser Ziel sein sollte [die Bevölkerungszahl] nicht zu erhöhen, sondern zu verringern – die sofortige Abnahme bei der Rate des Bevölkerungswachstums; und auf lange Sicht, Abnahme der absoluten Zahl der Menschen auf der Welt.”

Huxley wird in seinem Essay The Crowded World bzgl. seiner Ansichten zur Bevölkerungszahl sogar noch konkreter. Er argumentiert, dass “Eugenik einen wichtigen Beitrag zur weiteren Menschheitsentwicklung beitragen kann” und dass die Menschheit “Menschen mit genetischen Schäden oder schlechten Genen von der Fortpflanzung abhalten muss”. Er spricht im Weiteren in seinem Essay von “Regulation und der Kontrolle der Anzahl der Menschen”, und schließt mit seinen Gedanken zur “Weltbevölkerungspolitik”:

“Vor allem brauchen wir eine Weltbevölkerungspolitik – nicht zu einem unbestimmten Zeitpunkt in der Zukunft, sondern jetzt… Wir wollen, dass alle internationalen Organisationen der UN eine Bevölkerungspolitik haben.”

In wie weit hat sich die UNESCO als eine sehr wichtige, bekannte und geschätzte Institution im Rahmen der Vereinten Nationen von solch einem Gedankenkonstrukt gelöst? Oder sehen wir mit Themen wie der Agenda 2030 nicht genau den Ausfluss dieser damaligen “Weltbevölkerungspolitik”?

Zunächst einmal: als ich 1953 auf die Welt kam, lebten auf eben dieser Welt etwa drei Milliarden Menschen. Jetzt ist schon die Marke von sieben Milliarden Menschen überschritten! Also in meinem Leben mehr als eine Verdoppelung! Ich bin kein Experte, aber ich kann mir vorstellen, dass die Erde eine gewisse Obergrenze im Fassungsvermögen aufweist. Es hat sich doch gezeigt, dass dort, wo ein proaktiver Sozialstaat den Menschen einen Großteil ihrer Zukunftsangst abnimmt, die Geburtenrate sich ganz sanft und freiwillig absenkt, und sich die Bevölkerungszahl stabilisiert. In armen, sozial ungerechten Ländern sind Kinder die einzige Altersversicherung. Die Eugeniker und die Marktradikalen (was weitegehend identisch ist) jedoch wollen den Sozialstaat nicht. Sie wollen den Rahm des gesellschaftlichen Mehrprodukts für sich selber alleine abschöpfen. Darum kommt für diese Herren und Damen aus der Elite nur die Sterilisation der “Minderwertigen” in Frage. Und das ist kein Schnee von gestern. Es gibt die Organisation Planned Parenthood, die aus der Birth Control League hervorgegangen ist. Und die “berät” weltweit Regierungen darin, rasantes Bevölkerungswachstum durch eugenische Mittel im Zaum zu halten. Chinas Ein-Kind-Politik ist ein Ergebnis dieser Kooperation, ein anderes die millionenfach durchgeführte Zwangssterilisation an indischen Männern in den Siebziger Jahren, und heute aktuell die Sterilisation indischer Frauen gegen finanzielle Vergütung. Das ist reiner Rassismus. Denn ein Land spart sich aus der Eugenik heutzutage aus, dessen Bevölkerung sich besonders rasant vermehrt: die USA nämlich.

Hermann Ploppa - Hitlers Amerikanische Lehrer - Bildquelle: Hermann Ploppa
Hermann Ploppa – Hitlers Amerikanische Lehrer – Bildquelle: Hermann Ploppa

Das ist aber gar nicht der springende Punkt. Der Marktradikalismus zerstört massiv Infrastruktur, in der Menschen arbeiten: nämlich mittelständische Wirtschaft und bäuerliche Landwirtschaft. Jetzt kommt noch das Problem der Künstlichen Intelligenz dazu, das massiv Arbeitsplätze vernichten wird. In besonders marktradikalen Ländern wie den USA sind Millionen von Menschen aus der Gesellschaft bereits ausgespuckt worden; enteignet, entrechtet. In den USA vegetieren jetzt bereits schätzungsweise 2,5 Millionen Kinder obdachlos auf der Straße. Eine mindestens ebenso hohe Zahl von Erwachsenen kann man hinzuzählen. Kilometerlange Zeltsiedlungen bergen Menschen, die vor kurzem noch geachtete Bürger waren, und die jetzt aus unterschiedlichsten Gründen einfach ausgemustert und sich selber überlassen wurden. Was haben die Eliten mit ihnen vor? Senator John Cotton nahm am 16.3.2015 in einer Rede im Kongress kein Blatt vor den Mund:

“We should triple the amount we spend on defense and quadruple what we spend on prisons. Why do we pay for food stamps? Welfare? Medicare? They don’t keep us safe. If anything they nurture the most dangerous elements of society.”

Alles klar? Man wird das Problem militärisch und polizeilich lösen, wie in der Vergangenheit bereits, wie ich es in meinem Buch Hitlers amerikanische Lehrer beschrieben habe. Schon jetzt wird Obdachlosigkeit kriminalisiert. Die meisten US-Bundesstaaten stellen es unter Strafe, wenn mitfühlende Bürger Obdachlosen etwas zu essen geben wollen. Das hat Tradition. Unter Heinrich VIII. wurden die Bauern von ihrem Eigentum vertrieben. Als obdachlose Bettler irrten sie durch die Städte. Wurden sie einmal beim Betteln erwischt, wurden sie “nur” ausgepeitscht. Beim zweiten Mal wurde ihnen eine Hand abgehackt, und beim dritten Mal der Kopf. Das ist eine sehr reale Gefahr der “Bevölkerungsverminderung”, die uns da ins Haus steht. Viel realer als die Hirngespinste eines Julian Huxley.

2014 warf die Kenya Catholic Doctors Association (KCDA) der UNICEF und der Weltgesundheitsbehörde (WHO) vor, dass sie Millionen Mädchen und Frauen mit Hilfe eines Tetanus-Impfprogramms sterilisiert haben. Ein schon fast “klassisches eugenisches Vorgehen” möchte man sagen. Die KCDA behauptete damals, dass dem Impfstoff ein nicht genannter “Anti-Fruchtbarkeitsstoff” beigesetzt wurde. Muhame Ngare, Sprecher des KCDA, sagte sogar:

“Bei dieser WHO-Kampagne geht es nicht um die Beseitigung des Neugeborenen-Tetanus, sondern um eine gut koordinierte erzwungene Übung zur Bevölkerungskontrolle mit Hilfe der Massensterilisation und einem bewährten Fruchtbarkeitsregulierungsimpfstoff.”

Ist dieser öffentlich geäußerte Vorwurf nur eine Verschwörungstheorie unter vielen oder steckt vielleicht doch mehr dahinter?

Die Gefahr ist ganz real. Es gibt viele Beispiele der “Bevölkerungskontrolle” in der von Ihnen beschriebenen Art. Wie ich schon oben ausführte.

Und: es hat eindeutig eine rassistische Komponente, und hier wiederum befinden sich unsere Schwestern und Brüder aus Afrika in einem ganz besonderen Maß im Fadenkreuz der selbsternannten Menschheits-Modellierer.

Schon Hitlers Vordenker, der US-amerikanische Eugeniker und Naturschützer Madison Grant, pries die Erfolge der nordischen Rasse bei der Ausrottung der Indianer durch Krankheitskeime, gegen die die Indianer nicht immun waren, jedoch die Weißen. Und, so Grant, könne man doch auch den fruchtbaren Boden Afrikas für die weiße Rasse frei machen. Er erfand dafür den Begriff “Nordisizing”, was dann in Deutschland als Konzept der “Aufnordung” importiert wurde.

Wenn in einem kritischen Umfeld das Thema Impfstoffe und Impfung aufkommt, fällt meist der Name Globale Allianz für Impfstoffe und Immunisierung (englisch kurz Gavi). Eine weltweit tätige öffentlich-private Partnerschaft mit Sitz in Genf. Gründungspartner dieser Organisation waren unter anderem UNICEF, die Weltbank, die Bill & Melinda Gates Foundation, Entwicklungs- und Geberregierungen und andere stellen, die erkannten, dass unkoordinierte Programme und unvorhersehbare Finanzierungen die Impfanstrengungen behinderten würden.

Die Gavi unterhält enge Kontakte zu UNICEF und zu einem Programm, dass sich ID 2020 Alliance nennt. Dieses Programm sieht die Erfassung aller Menschen auf der Welt und die gleichzeitige Identifizierung mittels einer einmaligen Zuordnungsnummer, die bereits bei der Geburt vergeben wird und den Menschen sein Leben lang begleiten soll, vor. Ein Arbeitspapier dieser Alliance trägt den Titel Verpflichtung für die Verbesserung des Lebens durch eine digitale Identität (Committed to improving lives through digital identity).

Sind wir gerade mit den neuesten technologischen Möglichkeiten der Kontrolle und Überwachung nicht an einen Punkt angelangt, der schon immer Bestandteil der Idee der Eugenik ist und war?

Ich bin kein Pharmakologe oder Mediziner. Aber die Idee wurde bereits 1911 in den USA formuliert: die ganze Weltbevölkerung durch 22-stellige Codes nach ihren eugenischen Qualitäten zu erfassen. Auf dieser Grundlage wurde damals bereits ein Welt-Rassenaufartungsplan von den Spitzen der Wissenschaft und Politik in den USA ausgearbeitet, nach dem von 1915 bis 1985 insgesamt 45 Millionen Menschen aus der Reproduktion ausgeschlossen werden sollten durch Kastration, Sterilisation oder lebenslange Einsperrung.

In einer Tabelle wurde für jedes einzelne Jahr haarklein ausgerechnet, wie viele Menschen jährlich diesen Maßnahmen unterzogen werden sollten. Das sollte dann auf die ganze Welt übertragen werden, wozu man die eugenischen Organisationen der wichtigsten Industrieländer einschließlich Japans mit einbezog. Lediglich die beiden Weltkriege haben dieses gigantische Vorhaben ein wenig verzögert. Wie man sieht, bleibt man aber Generationen übergreifend dran. Diese Leute sind wirklich zäh, das muss man ihnen lassen …

Francis Galton, der Begründer der Eugenik, schrieb in seinem Buch Genie und Vererbung vor über 150 Jahren, dass in zivilisierten Gesellschaften die Fruchtbarkeit der befähigteren Klassen vermindert sei, während die “Unbedachtsamen” und “Nichtehrgeizigen” am meisten Nachkommenschaft aufzögen:

“So verschlechtert sich die Rasse allmählich, wird in jeder folgenden Generation für eine hohe Zivilisation weniger tauglich.”

Dass diese Schlussfolgerung an sich falsch sein muss, liegt bereits in der Tatsache begründet, dass die kleinen, von Galton beschriebenen “befähigteren Klassen” (Richter, Literaten, Naturwissenschaftler, Mathematiker) in ihrer Zahl viel zu gering war als dass diese den überwiegenden Teil der heutigen Akademiker “produziert” haben kann. Vielmehr stammt der Großteil der heutigen Intellektuellen aus jenen “kinderreichen, unbedachtsamen und nichtehrgeizigen” Bevölkerungsteilen, denen Galton schlechte Erbanlagen zuschrieb. Wären die von Galton beschriebenen Gegenauslese-Mechanismen wirksam, hätten die westlichen Gesellschaften seither einen kontinuierlichen Niedergang hinnehmen müssen. Das Gegenteil ist eingetreten. Die offene, moderne Gesellschaft, in der alle Schichten und Gruppen so viele Kinder bekommen, wie es ihnen passt, hat sich als leistungsfähiges Erfolgsmodell erwiesen. In allen westlichen Ländern ist das Qualifikations- und Bildungsniveau der Bevölkerung stark angestiegen, seit die Dysgenik-These erstmals formuliert wurde.

Warum ist aus Ihrer Sicht in elitären Kreisen aber immer noch der Glaubenssatz so stark vertreten, die Elite, die Anführer oder die Bestimmer zu sein? Liegt es unter anderem daran, dass bekanntlich Geld die Welt regiert und dass viele der Eliten finanziell mehr als gut situiert sind?

Naja, es kommen ja immer wieder aus der Mittelschicht Leute ganz nach oben, wie z.B. Bill Gates oder Mark Zuckerberg.

Aber im Prinzip besteht zumindest die Elite der USA oder Großbritanniens aus dem selbstreferentiellen Orbit der teuren Internate wie Groton, den superteuren Privat-Unis wie Harvard oder Yale. Diese Leute bekommen einen Esprit des Corps, einem Gruppengeist, eingeimpft, eine künstliche Neurotisierung im Sinne Alfred Adlers: das zwanghafte sich selber Vergleichen mit anderen und sich selber in einer Art von Bundesligatabelle in einem Kollektiv einen Rangplatz zuordnen.

So erleben wir in den USA eine Art von kapitalistischem Feudalismus, in dem sich Namen dynastisch über Generationen fortpflanzen, immer weiter gezählt mit römischen Zahlen wie dereinst Monarchen, z.B. Henry Vanderbilt IV. Da in den USA die heilsame Blutauffrischung durch Revolutionen ausbleibt, werden die USA untergehen wie alle Großreiche. Die Tragödie ist, dass die einfachen Menschen die Zeche für diesen Niedergang zu zahlen haben.

Zuletzt sei noch eine persönliche Frage gestattet:

Was steht bei Ihnen persönlich in diesem Jahr 2018 an? Was ist Ihrerseits geplant und glauben Sie, dass die Öffentlichkeit irgendwann erkennen kann, welches “Spiel” – ausgehend von Ihren Themen – in Wahrheit gespielt wird?

Ihre zweite Frage zuerst: ich bin da ganz zuversichtlich, dass immer mehr Menschen das “Spiel” durchschauen. Als ich im Oktober 2014 meine Macher hinter den Kulissen veröffentlichte, galten meine Erkenntnisse noch als “Verschwörungstheorie”. Mittlerweile sagen das aber nur noch bezahlte Claqueure der transatlantischen Netzwerke. Sowohl in der Wissenschaft wie auch in der so genannten “normalen” Bevölkerung renne ich jetzt offene Türen ein! Es ist kaum zu fassen, wie weit der Erkenntnisprozess bereits gedrungen ist. Allerdings wird massiv versucht, die aufgewachten Mitbürger gleich wieder mit dem Junkfood der gezielten Desinformation zu vergiften – dem schon altbekannten Hokuspokus von der Verschwörung durch Juden, Freimaurer, Illuminaten, Achtundsechziger oder Aliens. Hier hilft nur unaufgeregte Aufklärung, und niemanden außen vor lassen.

Mein nächstes Buchprojekt? Ein Buch über die Marktradikalen. Ihre Geschichte, ihre Strategien, ihre Verstellungen, ihre feindliche Übernahme von politischen Bewegungen, ihre wahnwitzigen und zerstörerischen Zukunftspläne.

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Hermann Ploppa, der für Im Gesprae.ch Rede & Antwort stand. Wir wünschen ihm für sein geplantes Buch über die Markradikalen und seine Arbeit weiterhin viel Erfolg.


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