#5 Einzelinterview: Stefan Wehmeier zu Die Rolle des Geldes in der Gesellschaft

Der Ausspruch: “Es ist schwierig, jemanden einen Sachverhalt zu erklären, wenn sein Einkommen davon abhängt, es nicht zu verstehen.” führt direkt zu der Frage: Warum ist Geld ein so wenig beachtetes Thema? Ein Thema, bei dem die allermeisten davon ausgehen, alles Notwendige darüber schon zu wissen. Wo es sogar so weit geht, dass es als juristischer Grundsatz gilt, dass man Geld zu haben hat. Punkt. Keine weiteren Fragen!

Dabei sind doch Fragen mindestens genau so wichtig wie Antworten! Geld benutzt jeder, egal welcher Konfession oder Weltanschauung, die guten wie die bösen, beim Preis wird man sich schon einig. Geld kann leicht die wichtigste zwischenmenschliche Beziehung genannt werden. Wer will dem widersprechen? Geld benutzt jeder, so als wäre es schon immer da gewesen und versucht, dass persönlich Beste daraus zu machen. Unter Spießbürgern versteht man den umgangssprachlichen Satz: “Die wollen nur Dein Bestes.” Trotzdem, oder gerade deswegen, gibt es keine akademisch
anerkannte wirtschaftswissenschaftliche Theorie, die immer richtige Vorhersagen erlaubt. Wie auch? Es würde weniger Profit bedeuten! Lautet die intuitive Antwort.

Aber es gab (und gibt) auch Menschen, die es dabei nicht belassen wollten und genauer hingesehen haben, die weitsichtig genug waren, um im allgemeinen Wohl das eigene Wohl am sichersten gewahrt zu sehen und sich vom kurzsichtigen Vermögensverlust nicht haben abschrecken lassen. Einer davon war Silvio Gesell (1862-1930). Seine in akademischen Kreisen bekannte (siehe auch ein Nebensatz bei J. M. Keynes) aber nicht anerkannte Geldtheorie ist ein Nischenprodukt, dessen Relevanz bis heute nicht genug gewürdigt wird. Die folgenden hier gestellten Fragen wurden an Stefan Wehmeier in Bezug auf Gesells Geldtheorie gestellt, richten sich aber genauso an jeden, der genauer hinsehen möchte und wissen will, was den Status Quo in Sachen Politik und Wirtschaft wirklich kennzeichnet.

Stefan Wehmeier - Bildquelle: www.deles.de
Stefan Wehmeier – Bildquelle: www.deles.de

Stefan Wehmeier, geboren 1965 ist Entdecker und Erfinder im Bereich Elektronik. Er ist Unternehmer, Blogger und sieht sich selbst auf der Suche nach Wissen und der Schaffung von Schönheit (nach Arthur C. Clarke).

Wehmeier verantwortet unter anderem die Websiten und Blogs

An dieser Stell gilt der ausdrückliche Dank Steffen D., der das Interview führte und auch alle Fragen erarbeitet hat.

Im Gesprae.ch: Wenn man sich die Geschichte der letzten 250 Jahre betrachtet, kann man feststellen, dass der Prozess der Aufklärung irgendwie abgelenkt und unterbrochen wurde. Es lohnte sich m. E. für die meisten nicht den Mut auf zu bringen sich seines eigenen Verstandes zu bedienen. Prof. Mausfeld hält dazu aktuell gut besuchte Vorträge. Sein Fachgebiet ist Teil eines ganzen Bereiches akademischer normativer Wissenschaften dazugehören Theologie, Jura, Soziologie, Psychologie, Politik- und eben auch die Wirtschaftswissenschaften, in der der Begriff Wert so mystisch ist, wie der Gottesbegriff in der Theologie.

Kann etwas Wissenschaft genannt werden, wenn Theorien nebeneinander stehen und keine davon falsifizierbar ist, wenn man sich nach Jahrhunderten nicht mal auf die Definition der Grundbegriffe einigen konnte?

Interviewter: Die universitäre VWL ist wie die anderen “Wissenschaften”, die sich direkt oder indirekt mit dem menschlichen Zusammenleben befassen (Theologie, Politologie, Soziologie, etc.) tatsächlich keine Wissenschaft oder zumindest keine ehrliche, weil die grundlegendste zwischenmenschliche Beziehung, das Geld, seit jeher fehlerhaft ist.

Wer nun diesen grundlegenden Fehler gar nicht kennt, der eine unüberschaubare Vielzahl von Symptomen nach sich zieht, macht sich die Symptombekämpfung zum Lebensinhalt, ohne jemals zum Kern der Sache vorzustoßen und dies im Verlauf seiner Berufstätigkeit auch gar nicht mehr zu wollen. Stattdessen wird von den “staatlich anerkannten Experten” der Systemfehler indirekt verteidigt, damit sie sich weiterhin mit der a priori sinnlosen Symptombekämpfung beschäftigen können.

Goethe sagte dazu: “Ich sah, dass den meisten die Wissenschaft nur etwas ist, insofern sie davon leben, und dass sie sogar den Irrtum vergöttern, wenn sie davon ihre Existenz haben.”

Man muss schon seinen Lebensunterhalt mit etwas ganz anderem verdienen – ich selbst beschäftige mich hauptberuflich mit der Entwicklung und Fertigung hochwertiger Aktivlautsprecher und Digital-Analog-Wandlern -, um die Volkswirtschaft, von der wir ja alle abhängig und ein Teil davon sind, ohne Interessenskonflikt objektiv zu verstehen.

Natürlich fragt sich jetzt der Leser, warum ich mich überhaupt für VWL interessiere, denn als Techniker kann man sich ja auch vermeintlich interessantere Hobbys vorstellen. Dazu möchte ich mit einem Zitat von Silvio Gesell antworten: “Der Kurzsichtige ist selbstsüchtig, der Weitsichtige wird in der Regel bald einsehen, dass im Gedeihen des Ganzen der eigene Nutz am besten verankert ist.” Ich bin also am Gedeihen des Ganzen interessiert, habe mich seit dem Beginn der so genannten “Finanzkrise” intensiv mit den wirklichen volkswirtschaftlichen Zusammenhängen befasst, die an Universitäten (Silvio Gesell nannte sie Verdummungsanstalten) gar
nicht verstanden werden, und habe dazu die Internetseite www.deweles.de aufgebaut, die ohne nervige Werbeanzeigen alle wesentlichen volkswirtschaftlichen Fragen sowie die historischen und philosophischen Hintergründe erschöpfend beantwortet. Denn das globale Finanzsystem wie es noch ist wird in Kürze endgültig zusammenbrechen, und wer erst dann mit dem Denken anfängt, hat schon verloren.

Zu Lebzeiten von Gesell, also zu einer Zeit, als die Aufklärung noch nicht ganz unterbrochen war, wurde noch von der Masse der Bevölkerung um die Lösung der sozialen Frage gestritten. Heute kann der Investor Warren Buffet in Vertretung sagen: “Natürlich herrscht Klassenkampf und meine Klasse gewinnt.”, denn Demokratie hat heute ihre totalitäre Endphase, nach Faschismus/Stalinismus und Marxismus/Leninismus, erreicht, Otto Valentin, der 1951 ein gutes Buch mit dem Titel “Die Lösung der sozialen Frage” veröffentlicht hat, hätte das so sicher nicht für möglich gehalten.

Ist etwas falsch an der aktuellen Gesellschaftsordnung? Gibt es ein richtiges Leben im falschen?

Allgemein wird noch geglaubt, die durch irgendeine Verfassung definierte Gesellschaftsordnung sei primär und die Wirtschaftsordnung sei ein untergeordneter Teil davon. Tatsächlich ist es umgekehrt: Die Wirtschaftsordnung ist primär und alles Weitere ergibt sich daraus. Ist die Wirtschaftsordnung fehlerhaft, kann eine beliebige Anzahl sonstiger Gesetze niemals wachsende soziale Ungerechtigkeit, Umweltzerstörung und Krieg verhindern; ist die Wirtschaftsordnung dagegen fehlerfrei, erfordert es keine weiteren Gesetze, damit sich allgemeiner Wohlstand, eine saubere Umwelt und der Weltfrieden automatisch einstellen.

Ein “richtiges Leben im falschen” beruht immer auf der Einbildung, es wäre “grundsätzlich alles in Ordnung” und es müssten nur einige oberflächliche Probleme behoben werden, damit es für alle eine Zukunft gibt. In Wahrheit gibt es schon sehr bald gar keine Zukunft mehr, wenn es nicht gelingt, etwas ganz Grundsätzliches in richtiger Weise zu korrigieren, nämlich unsere seit jeher fehlerhafte und gänzlich unreflektiert aus der Antike übernommene Geld- und Bodenordnung.

Man kann das individuelle Wachbewusstsein grob und normativ in vier Bereiche gliedern. Das was man exklusiv weiß und glaubt, das was man gemeinsam mit anderen weiß und glaubt, das was andere wissen und glauben und man selbst nicht kennt und viertens das von allen unerkannte. Der erste Bereich ist Herrschaftswissen und führt wirtschaftlich zu asymmetrischer Information und Macht, zu Insiderhandel und ist ganz allgemein profitabler. Der zweite Bereich führt zu Kooperation, zu Arbeitsteilung, zu Symbiose. Der dritte zu Abhängigkeit und Ohnmacht. Der vierte Bereich führt, je nach Charakter, mit vielen Abstufungen dazwischen, zu dem Wunsch das bekannte stärker zu kontrollieren oder das Unbekannte zu erforschen.

Glauben Sie wach zu sein? Was kennzeichnet bewusstes, waches Verhalten? Was stört bewusstes, waches Verhalten, was begünstigt es?

Jeder glaubt wach zu sein, aber nur die, die wirklich wach sind, können erkennen, wer noch schläft und warum er noch schläft.

Bewusstes, waches Verhalten ist sowohl gekennzeichnet durch das Wissen um die einzige Lösung der Sozialen Frage, als auch um das Wissen, warum sie bis heute nicht praktisch gelöst wurde, obwohl das theoretische Wissen längst zur Verfügung steht. Bewusstes, waches Verhalten wird traditionell von der Religion unterdrückt; Voraussetzung für den vollen Wachzustand ist somit die “Auferstehung aus dem
geistigen Tod der Religion”. Die reale Auferstehung ist also ein Erkenntnisprozess und sicher nicht ein “Herausklettern aus dem Grab” zur hypothetischen Überwindung des biologischen Todes.

Silvio Gesell hatte zwar aus eigener Kraft die Soziale Frage in der Theorie gelöst, was eine phänomenale Leistung war, jedoch konnte er nicht verstehen, warum (fast) alle anderen ihn nicht verstanden, obwohl die Lösung nach seinen Worten “ja doch nur aus einer Reihe banalster Selbstverständlichkeiten besteht.” Die tiefere Ursache des “nicht verstehen Wollens” muss erst erklärt und damit wegerklärt sein, bevor die Soziale Frage auch praktisch gelöst werden kann.

Bewusstes, waches Verhalten wird gestört durch die Einstellung, alles so hinzunehmen wie es ist, und wird begünstigt durch das Selbstvertrauen, alles so gestalten zu können wie es sein soll.

Von Goethe soll der Ausspruch stammen: “Niemand ist hoffnungsloser versklavt, als der der fälschlich glaubt frei zu sein.” und Schiller soll gesagt haben: “Demokratie ist die Diktatur der Dummen.” Beide haben sicher Geld benutzt in ihrem Alltag und sicher auch die gesellschaftsformende Kraft des Geldes beobachtet.

Goethe schreibt darüber im “Faust” und Schiller in “Die Räuber”. Bei beiden wird deutlich, dass sie kreatives Arbeitsschaffen als Ursache aller Kulturentwicklung und Zeichen geistiger Gesundheit sahen. Allerdings haben sie den Einfluss des Geldes als “Gaspedal” und “Bremse” des “kulturellen Motors” nicht durchschaut. Dies gelang erst Proudhon und später detaillierter Gesell 1906 mit seinem Buch über die Verwirklichung des Rechts
auf den vollen Arbeitsertrag.

Ist Freiheit also ein subjektives Gefühl des frei schaffenden Menschen oder objektiv das Recht auf Recht? Was bedeutet wirtschaftliche Freiheit und ist diese individuell und/oder allgemein?

Wirtschaftliche Freiheit ist die letztlich entscheidende Freiheit und nach der korrekten Definition von Otto Valentin das objektive “Recht zur Beteiligung am Wettbewerb”.

Ist der Wettbewerb in einer Marktwirtschaft mit strukturellen Monopolen eingeschränkt oder in einer sozialistischen Planwirtschaft (Staatskapitalismus) sogar ganz beseitigt, kann “Freiheit” nur Einbildung sein.

Die heutigen Verfassungen der demokratischen Staaten gewähren etliche Freiheitsrechte, alle unter Finanzierungsvorbehalt.

Ein Recht auf wirtschaftliche Freiheit ist nicht darunter, aber ein Recht auf Würde. Irgendwie erscheint das nicht stimmig. Jedenfalls gibt es jede Menge Beispiele, wie durch die strukturelle Gewalt der Ökonomie Menschen von sich selbst entfremden, sich lieber mit dem Status Quo arrangieren, statt für sich autarke Freiräume zu schaffen.

Ist wirtschaftliche Freiheit als gleichrangig mit Wahl-, Rede-, Meinungs-, Presse-, Lehr-, und Reisefreiheit zu betrachten?

Während eine Einschränkung aller anderen Freiheiten, insbesondere der persönlichen Freiheit, die wirtschaftliche Freiheit ebenfalls einschränkt, kann die Gewährung aller anderen Freiheiten nicht auch gleichzeitig die wirtschaftliche Freiheit garantieren.

Umgekehrt führt die Verwirklichung der wirtschaftlichen Freiheit automatisch zur Verwirklichung aller anderen Freiheiten.

Können sie die Begriffe Politik und Kapital mit jeweils einem Satz zutreffend definieren?
Politik ist der Versuch, etwas zu “regeln”, was nicht geregelt werden kann, solange es sich durch das vom Privatkapitalismus befreite Spiel der Marktkräfte nicht selbst regelt.

Kapital ist ein knappes Gut, bei dem die Nachfrage das Angebot übersteigt und aus dem somit ein besonderer Knappheitsgewinn, ein Zins, erzielt werden kann.

Ergänzend ist zu sagen, dass Knappheitsgewinne sich in verdiente und unverdiente Knappheitsgewinne auf Kosten der Mehrarbeit anderer unterteilen. Erstere beruhen auf eigener technologischer oder kultureller Innovationsleistung, während Letztere auch leistungslose bzw. arbeitsfreie Kapitaleinkommen genannt und durch die Ausnutzung struktureller Monopole erzielt werden, insbesondere des Geldstreikmonopols, das ein
Sachkapitalmonopol nach sich zieht, und des privaten Bodenmonopols. In einer kapitalistischen Marktwirtschaft (noch bestehender Istzustand) steht die Erzielung und Bedienung leistungsloser Kapitaleinkommen vorrangig vor allem anderen; in der vom Privatkapitalismus befreiten Marktwirtschaft (zu erreichender Sollzustand) sind dagegen allein verdiente Knappheitsgewinne der eigentliche Antrieb unternehmerischen Handelns.

Gesell schreibt dazu:

“Wenn ein Mensch irgend einen Gegenstand sucht, braucht und haben will und es trifft sich, daß der gesuchte Gegenstand im Besitze anderer, und sonst nicht zu haben ist, so wird er sich in der Regel genötigt sehen, etwas von seiner Habe anzubieten, um den Besitzer der gesuchten Sache zu veranlassen, ihm das, was er braucht, abzutreten. Er wird also den Gegenstand durch Tausch an sich bringen. Und selbst dann wird er das tun müssen, wenn dem anderen der gesuchte Gegenstand stofflich nutzlos ist. Es genügt, wenn der Eigentümer weiß, daß der Andere den Gegenstand braucht oder gar haben muß, dann gibt er ihn sicher nicht umsonst, ja in vielen Fällen wird es vorkommen, daß Jemand eine Sache nur darum aufhebt und in Besitz nimmt, weil er weiß, daß hinter ihm Jemand folgt, der die Sache nützlich verwenden kann. Und je dringender dieser Andere den Gegenstand braucht, je größer seine Verlegenheit ist, um so höher wird der Besitzer seine Forderungen schrauben.

Das hier Gesagte erscheint heute so selbstverständlich und natürlich, daß viele es für überflüssig ansehen werden, es auszusprechen, ja, so viel ich weiß, ist es hier das erste Mal, daß in einer volkswirtschaftlichen Schrift dieser Satz niedergeschrieben wird. Und doch handelt es sich hier um das eigentliche Grundgesetz der heutigen Volkswirtschaft; das Grundgesetz des Handels, der wirtschaftlichen Beziehungen der Bürger untereinander und der Bürger zum Staate.

Übrigens ist nichts selbstverständliches darin; im Gegenteil könnte man es für selbstverständlich halten, daß man einen Gegenstand, den man persönlich nicht braucht, der Anderen aber nützlich sein kann, für diese Anderen einfach liegen läßt, wie es auch als selbstverständlich gelten könnte, daß man einen Acker, den man nicht selbst beackern kann, anderen überläßt, die ihn beackern können.

Durch die Inbesitznahme oder Aneignung eines Gegenstandes, den man nicht selbst gebrauchen kann, der aber, wie wir annehmen oder wissen, von anderen gesucht wird, können wir nur einen Zweck verfolgen: wir wollen diesen anderen Verlegenheiten bereiten und diese Verlegenheiten ausbeuten. Wir wollen Wucher mit dem Gegenstand treiben, denn Jemand in Verlegenheit bringen und diese Verlegenheit ausbeuten heißt Wucher treiben.

Der Umstand, daß diese Ausbeutung eine gegenseitige ist, beschönigt vielleicht den Sachverhalt, ändert aber nichts daran, daß diese wechselseitige Ausbeutung der Notlage der Nächsten [Man braucht hier durchaus nicht immer an frierende Bettler zu denken. Der 5000 fache Millionär Rockefeller ist jedesmal in solcher “Notlage”, wenn Brennstoffsurrogate den Absatz des Petroleums hemmen. Auch Krupp ist jedesmal in “Notlage”, wenn er für die Erweiterung seines Werkes den Acker eines Bäuerleins braucht.], die nach allen Regeln kaufmännischer Kunst betriebene gegenseitige Plünderung die Grundlage unserer Volkswirtschaft bildet, die Grundlage, auf der der Tausch aller Waren sich abspielt, das ökonomische Grundgesetz, welches das Tauschverhältnis der Produkte, die Preise der Waren, selbstherrlich bestimmt. Nähme man diese Grundlage fort, so würde unsere Volkswirtschaft in sich zusammenstürzen, und es bliebe für den Austausch der Produkte kein anderes Kriterium übrig, als sie nach christlicher, sozialistischer, kommunistischer, brüderlicher (oder wie diese Drogen alle heißen
mögen) Vorschrift gegenseitig zu verschenken.

Sind Beispiele nötig zur Erläuterung dieses Satzes?

Es heißt zwar, die “Marktverhältnisse” trieben die Preise auf und ab, man sucht das persönliche Moment, die Handlung auszuschließen und einen Sündenbock für solchen Wucher verantwortlich zu machen, indem man sagt, die Preise wurden durch Nachfrage und Angebot bestimmt; aber was wären solche Marktverhältnisse, solche Konjunkturen, was wären Nachfrage und Angebot ohne handelnde Personen?

Diese handelnden Personen bewirken die Preisverschiebungen, und als Werkzeug dienen ihnen die Marktverhältnisse. Die handelnden Personen aber sind wir, wir alle, das Volk. Jeder der etwas zu Markte trägt, ist von demselben Geist beseelt, so hohe Preise zu fordern, wie es die Notlage der Käufer zu fordern gestattet. Und jeder sucht sich zu entschuldigen (wie auch jeder durch die Wechselseitigkeit des ganzen Systems entschuldigt wird), indem er sich auf die unpersönlichen Marktverhältnisse beruft.” (S. Gesell Die Neue Lehre vom Geld und Zins, Physiokratischer Verlag, 1911)

Alle Parteien in den Parlamenten haben von Beginn an ihren jeweiligen Schwerpunkt in Sachen gerechter Politik, welcher sie geradezu definiert. Grob gegliedert in:
konservativ – Schutz des Eigentums, liberal – Schutz der individuellen Entscheidung, sozialistisch – Teilhabe aller.Was wäre absolute Gerechtigkeit und ist der Konflikt zwischen Leistungsgerechtigkeit und Verteilungsgerechtigkeit nur scheinbar?
Absolute Gerechtigkeit ist absolute Marktgerechtigkeit. Dazu müssen alle arbeitsfreien Kapitaleinkommen durch vollkommenen marktwirtschaftlichen Wettbewerb (monopolfreie Marktwirtschaft = echte Soziale Marktwirtschaft) eigendynamisch auf Null geregelt werden.

Nur so wird für alle Wirtschaftsteilnehmer der volle Arbeitsertrag und damit eine gerechte Güterverteilung nach Leistung möglich. Unmöglich ist dagegen eine diktatorische “Verteilungsgerechtigkeit” durch “Befehl von
oben” nach sozialistischem Vorbild.

Trotz aller Missstände kann man feststellen, dass von aller wirtschaftlichen Tätigkeit heute mehr als sieben Milliarden Menschen versorgt werden und das Millionen Zugang zu Annehmlichkeiten haben, welche für die Handvoll Könige der Antike nicht im Traum denkbar waren. Das dies ohne Beachtung der Tatsache geschieht, dass exponentielles Wachstum in einem endlichen Lebensraum katastrophal enden muss, steht auf einem anderen Blatt.

Welche Bedeutung haben Weltanschauung, Arbeitsteilung und Spezialisierung für eine Gesellschaft?

Die Makroökonomie, insbesondere die Bodenordnung, ist die wirkliche Basis allen menschlichen Zusammenlebens und das Geld ist die grundlegendste zwischenmenschliche Beziehung. Die Arbeitsteilung erhob den Menschen über den Tierzustand und nichts anderes als die Qualität der makroökonomischen Grundordnung bestimmt den Grad der Zivilisiertheit, die der Kulturmensch erreichen kann. Dabei lassen sich nach heutigem Wissen drei Entwicklungsstufen unterscheiden:

der Ursozialismus als zentralistische Planwirtschaft noch ohne liquides Geld, wie etwa das vorantike Ägypten; dann die Antike als kapitalistische Marktwirtschaft mit instabilem Geldkreislauf, in der sich die halbwegs zivilisierte Menschheit bis heute befindet; und schließlich die Neuzeit als die vom Privatkapitalismus befreite Marktwirtschaft (Freiwirtschaft) mit langfristig stabilem Geldkreislauf, die als der noch zu verwirklichende, eigentliche Beginn der menschlichen Zivilisation anzusehen ist.

In den beiden bisherigen Entwicklungsstufen, in denen die Makroökonomie noch diktatorisch geführt wurde bzw. fehlerhaft war, bedurfte es spezifischer Programmierungen des kollektiv Unbewussten (religiöse Verblendungen), um das arbeitende Volk an die makroökonomischen Konstruktionsfehler und die daraus resultierende systemische Ungerechtigkeit anzupassen. Anderenfalls wäre das, was sich heute “moderne Zivilisation” nennt, gar nicht erst entstanden oder schon frühzeitig wieder aufgegeben worden, solange das Wissen zur einzigen Lösung der Sozialen Frage auch in der Theorie noch nicht vorhanden war.

Jetzt mal Klartext!

Sollen wirklich alle zivilisatorischen Errungenschaften und Missstände nur eine einzige Ursache haben? Und alle bis auf einen hatte einen Balken im Auge, bzw. einen blinden Fleck im Bewusstsein? Das erscheint doch sehr
unwahrscheinlich! Gibt es einen eindeutigen Beweis dafür? Ist Geld fehlerhaft konstruiert? Was genau ist der Fehler und wie wird er behoben?

Alle zivilisatorischen Errungenschaften entstehen aus einer (halbwegs) funktionierenden Arbeitsteilung; alle Missstände resultieren aus einer fehlerhaften bzw. ungerechten Arbeitsteilung. Verständlicherweise kann das menschliche Zusammenleben nicht funktionieren, solange die grundlegendste zwischenmenschliche Beziehung, das Geld, fehlerhaft ist. Schon solange der Mensch Geld benutzt, hat es noch nie einen gerechten Tausch und einen gerechten Verleih gegeben, weil das herkömmliche Geld (Zinsgeld) aufgrund seiner Dauerhaftigkeit und des Vorteiles der Liquidität allen anderen Waren, deren Tausch es vermitteln soll, überlegen ist. Es versteht sich
eigentlich von selbst, dass ein Tauschmittel nicht auch Wertaufbewahrungsmittel sein kann. Weil es das aber bis heute ist, fordert das Geld den Zins (genauer: den Urzins nach Silvio Gesell, bzw. die Liquiditätsverzichtsprämie nach John Maynard Keynes), der sich automatisch auf alles Sachkapital überträgt, weil es dieses strukturell knapp hält, als selbstverständliche Bedingung für seinen Umlauf, und wenn das Geld nicht umläuft (Liquiditätsfalle), steht die Wirtschaft still.Die Lösung besteht darin, die Wertaufbewahrungsfunktion durch eine staatliche Liquiditätsgebühr auf alles Zentralbankgeld (Bargeld plus Zentralbankguthaben der Geschäftsbanken) zu neutralisieren und die damit konstruktiv umlaufgesicherte Währung mit einer direkten Geldmengensteuerung anhand eines repräsentativen Warenkorbes dauerhaft zu stabilisieren. Zusätzlich bedarf es einer Änderung der Bodenordnung, um allen
Menschen die Bodennutzung nach persönlichen Bedürfnissen zu ermöglichen und die Bodenrente in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen. Beides zusammen wird als freiwirtschaftliche Geld- und Bodenreform bezeichnet, die sowohl notwendig als auch hinreichend ist, um die Marktwirtschaft vom parasitären Gegenprinzip des Privatkapitalismus, der Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz, zu befreien.

Wie bereits angedeutet, war der blinde Fleck im Bewusstsein gegenüber der “Mutter aller Zivilisationsprobleme” absolut notwendig, um erst einmal in die Geldwirtschaft hineinzukommen, solange noch niemand wusste, wie das Geld auch ohne Zins umläuft. Unwahrscheinlich wäre alles andere! Der eindeutige Beweis dazu ist bereits erbracht, wenn man nur die uralte Soziale Frage in der ursprünglichen Form formuliert:

Wie lässt sich das Paradies (die Marktwirtschaft) “bebauen und bewahren”, ohne dass es immer wieder von der systemischen Ungerechtigkeit der Erbsünde (des Privatkapitalismus) zerstört wird?

Solange niemand die Frage beantworten konnte, musste das arbeitende Volk glauben, dass Zinsen wohl auf “Apfelbäumchen” wachsen und nicht durch die Mehrarbeit anderer! Das war (und ist noch) der eigentliche Zweck der Religion, auch wenn die “Geistlichen” schon lange nicht mehr wissen, was sie tun. Jetzt lässt sich bereits erahnen – und auch dafür gibt es den eindeutigen Beweis in den unverfälscht erhaltenen Nag Hammadi Schriften -, dass nicht Silvio Gesell, sondern der Prophet Jesus von Nazareth der erste Entdecker der Freiwirtschaft war, was ihn zur berühmtesten Persönlichkeit der Welt machte, auf der bis heute die planetare Zeitrechnung basiert. Mit anderen Worten: Die Freiwirtschaft ist der wirkliche Himmel auf Erden.

Ist die Praxis der Freiwirtschaftslehre die einzige Möglichkeit oben beschriebene wirtschaftliche Freiheit gerecht herzustellen?
Wer sich für “schlauer” hält als Silvio Gesell und Jesus von Nazareth zusammen (bis heute die am weitesten verbreitete, größtmögliche Dummheit), darf sich gern an dem Beweis versuchen, dass es noch eine andere Möglichkeit des zivilisierten Zusammenlebens gibt, als die Freiwirtschaft.

Solange unsere Technologie aber noch nicht soweit fortgeschritten ist wie in Arthur C. Clarke´s “The City and the Stars”, sind die Aussichten für einen solchen Beweis recht gering.

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Stefan Wehmeier, der für Im Gesprae.ch Rede & Antwort stand. Wir wünschen ihm für seine Arbeit weiterhin viel Erfolg.


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7 Kommentare

  1. Literatur & Verweise:

    John Maynard Keynes, “The general theory of employment, interest and money”,Palgrave Macmillan Basingstoke, 1936
    https://www.youtube.com/watch?v=d0nERTFo-Sk

    Silvio Gesell, “Die Neue Lehre vom Geld und Zins”, Physiokratischer Verlag Berlin, 1911

    Prof. Rainer Mausfeld “Die Angst der Machteliten vor dem Volk”, Vortrag beim IPPNW in 2017, https://www.youtube.com/watch?v=Rk6I9gXwack

    Otto Valentin, “Die Lösung der sozialen Frage oder die Überwindung des
    Totalitarismus”, Hugo Mayer Verlag Dornbirn, 1951

    Johann Wolfgang Goethe, Gesammelte Werke & Friedrich Schiller, Gesammelte Werke

    Silvio Gesell, “Die Verwirklichung des Rechts auf den vollen Arbeitsertrag”, Verlag von Silvio Gesell in Haut-Geneveys, Kanton Neuchâtel (Schweiz), 1906

    Nag Hammadi Schriften, entdeckt 1945,
    http://www.gnosis.org/naghamm/nhlcodex.html

    Arthur C. Clarke, “Profiles of the Future: An Inquiry into the Limits of the Possible” (1962) & “The City and the Stars” (1956)
    https://en.wikipedia.org/wiki/The_City_and_the_Stars

    weitere Artikel zur Freiwirtschaftslehre
    http://www.freiheitswerk.de

  2. Wo hier dem Wettbewerb das Wort geredet wird: Ist nicht Krieg der ultimative Wettbewerb? Werden sich die Verlierer eines “friedlichen” Wettbewerbs damit abfinden, Verlierer zu sein, oder nicht vielleicht doch zu Mitteln greifen, die ihre Niederlage in einen Sieg ummünzen könnten? Oder anders gesagt: Gibt es im Wettbewerb eine Begrenzung der Mittel zu seiner Durchführung? Wer soll die festlegen? Was, wenn sich Einzelne nicht an solch eine Begrenzung halten?

    Und was genau bedeutet eigentlich “Freiheit”? Ich sehe hier nur gegenseitige Abhängigkeiten und Notwendigkeiten.

  3. “Frei ist, wer wirtschaftlich frei ist; und wirtschaftlich frei ist, wer sich ungehindert am Wettbewerb beteiligen kann. Umgekehrt ist unfrei, wer an der Teilnahme am Wettbewerb gehindert oder gar vom Wettbewerb ausgeschlossen ist. Wirtschaftliche Freiheit und damit das Fundament der Freiheit überhaupt ist nichts anderes als das Recht zur Beteiligung am Wettbewerb.

    Was dagegen heute die so genannte Freiheit ausmacht, ist die Freiheit politischer Art, die vorwiegend darin besteht, bei irgendeiner Abstimmung, die meist zu Unrecht die Bezeichnung „Wahl“ führt, Ja oder Nein sagen oder irgendeinen Zettel abgeben zu dürfen. Diese politische Freiheit ist vergleichsweise bedeutungslos; sie kann, ebenso wie die persönliche Freiheit, ohne die wirtschaftliche Freiheit gewährt werden und ist dann ein Torso.

    Während die wirtschaftliche Freiheit nach dem Gesagten die persönliche Freiheit automatisch mit einschließt, können umgekehrt – wie das Vorhandensein des Proletariats schlagend beweist – persönliche und politische Freiheitsrechte bestehen, zugleich aber die entscheidende wirtschaftliche Freiheit der Beteiligung am Wettbewerb vorenthalten und damit der wirtschaftlichen Ausbeutung der Freiheitsberaubten Tür und Tor geöffnet werden.

    Diese Tatsache darf jedoch keinesfalls zu einer Geringschätzung dieser Rechte, vor allem der persönlichen Freiheitsrechte, verleiten, denn obgleich, wie gesagt, persönliche Freiheit nicht zugleich auch wirtschaftliche Freiheit bedeuten muss, so hat doch umgekehrt persönliche Unfreiheit auf alle Fälle ganz zwangsläufig wirtschaftliche Unfreiheit und damit zugleich drückendste Ausbeutung im Gefolge. Das zeigt mit aller Deutlichkeit die Institution der Sklaverei, die ihrem Wesen nach auf der persönlichen und demzufolge wirtschaftlichen Unfreiheit der Sklaven beruht. Auf die letztere kommt es den Sklavenhaltern einzig und allein an, weil sie die Ausbeutung – in diesem Fall die unmittelbare Ausbeutung – ermöglicht.

    Die Gewährung der persönlichen Freiheit vermag zwar diese unmittelbare Ausbeutung zu verhindern, keineswegs aber die Ausbeutung als solche. Als man in Nordamerika mit Gesetz vom 31. Januar 1864 den Sklaven die persönliche Freiheit und kurz darauf durch die Rekonstruktionsbill auch die politische Freiheit in Form des aktiven und passiven Wahlrechts einräumte, da waren die Sklaven wohl ihrer Ketten ledig und damit der drückendsten Form der Ausbeutung, keineswegs aber der Ausbeutung überhaupt, denn ihre wirtschaftliche Unfreiheit in Gestalt einer Behinderung der Teilnahme am Wettbewerb war geblieben.

    Die persönliche Freiheit ist somit die grundlegendste aller Freiheiten, sie vermag aber ebenso wenig wie die politische Freiheit das Herzstück der Freiheit zu verbürgen, auf das es entscheidend ankommt: die wirtschaftliche Freiheit, verkörpert in dem Recht auf Teilnahme am Wettbewerb.”
    Aus: Otto Valentin (aus „Die Lösung der Sozialen Frage“, 1952)

    Zum Krieg:
    Ein schrieb des Sparkassenverbandes aus dem Jahre 1891(!) Dieser also vor mehr als einhundert Jahren geschriebene Artikel befasste sich mit dem Trend sinkender Zinsen gegen Ende des 19. Jahrhunderts und seinen Hintergründen, die er wie folgt erklärte:
    “Die Ursache für das Sinken des Zinsfußes wird vorzüglich darin gefunden, daß die besonders rentablen Kapitalanlagen großen Maßstabes heute erschöpft sind und nur Unternehmungen von geringer Ergiebigkeit übrig bleiben.”

    Heute gibt es Atomwaffen und somit ist ein Krieg mit allumfassender Sachkapitalzerstörung (um den Zinsfuß wieder für Investoren auf lukrative Höhe zu heben) verwehrt.

    Genauer und tiefer wird das Problem hier erörtert, lesen sie ab Seite 21: http://www.sozialoekonomie-online.de/archiv/zfsoe-online-archiv-folge-128-135.html?file=files/archiv/archiv%20117-155%20digital/ZfSOe%20128%20komplett.pdf

  4. Nochmal anders herum erklärt:

    “Euer Merkwürden” hält das größte Genie aller Zeiten für einen Idioten (im ursprünglichen griechischen Wortsinn idiotes=Privatperson verstanden, d. h. jemand, der zwischen privaten und öffentlichen Interessen nicht unterscheiden kann und deshalb für ein öffentliches Amt ungeeignet ist) wie sich selbst und interpretiert wahre Nächstenliebe (vollkommene marktwirtschaftliche Konkurrenz) als “Solidarität”. Ein typisches Beispiel für Solidarität ist ein Kartell. Die Mitglieder des Kartells schließen die gegenseitige Konkurrenz aus und verhalten sich untereinander solidarisch, um gemeinsam überhöhte Verkaufspreise zu erpressen. Darum gibt es Kartellgesetze, die solche Machenschaften verbieten sollen – aber nicht verhindern können, solange unsere seit jeher fehlerhafte Geld- und Bodenordnung und die daraus resultierende Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz immer größere und mächtigere Konzerne hervorbringt, die mittelständische Unternehmen entweder in den Ruin treiben oder einfach aufkaufen. Das zu erhalten ist eine tolle Aufgabe, wenn man sich “Hochwürden” nennen darf.

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2015/09/die-idiotie-vom-unverzichtbaren-zins.html

    Solidarität ist nur innerhalb einer urkommunistischen Stammesgesellschaft mit bis zu 150 Personen (bis zu dieser Grenze können sich alle noch gegenseitig kennen), innerhalb einer Familie oder innerhalb einer in der Marktwirtschaft spezialisierten, mittelständischen Firma sinnvoll, nicht aber für eine Volkswirtschaft als Ganzes! In einer Volkswirtschaft mit Millionen Menschen, die weit über das Maß hinausreicht, wo sich alle noch gegenseitig kennen, ist vollkommene marktwirtschaftliche Konkurrenz das einzige Mittel, um den Urzins auf Null zu regeln, unter der Voraussetzung, dass das Geld auch ohne Zins umläuft, die Sachkapitalien sich in Privatbesitz befinden, aber der Boden und die Naturressourcen in Gemeinschaftsbesitz, wobei Grundstücke zur privaten Nutzung verpachtet werden und die Bodenrente in den Dienst der Allgemeinheit gestellt wird (Auszahlung als garantiertes Kindergeld, vorrangig an die Mütter).

    Wer das nicht gleich versteht, befindet sich in bester Gesellschaft. Selbst Albert Einstein hatte es nicht verstanden:

    https://www.deweles.de/leben.html?file=files/_theme/pdf/lebendigkeit.pdf

  5. “Nie haben die Massen nach Wahrheit gedürstet. Von den Tatsachen, die ihnen missfallen, wenden sie sich ab und ziehen es vor, den Irrtum zu vergöttern, wenn er sie zu verführen vermag. Wer sie zu täuschen versteht, wird leicht ihr Herr, wer sie aufzuklären sucht, stets ihr Opfer.”

    Gustave Le Bon (aus “Psychologie der Massen”, 1895)

    Wäre es anders, müssten die Klickzahlen auf dieser Seite kontinuierlich steigen. Das Gegenteil ist bis jetzt der Fall, was wieder einmal die Richtigkeit der Beobachtung von Le Bon bestätigt. Was wundert es also, dass die etablierten Massenmedien mittlerweile als “Lügenpresse” bezeichnet werden? Je weiter die Zinsumverteilung sowohl innerhalb der Nationalstaaten als auch zwischen den Staaten voranschreitet und in Folge dessen die Aussichten für eine positive Zukunft immer düsterer werden, desto mehr Lügen werden von der religiös verblendeten Masse nachgefragt und von den Massenmedien auch bedient, um “diese Welt” (Zinsgeld-Ökonomie, zivilisatorisches Mittelalter) weiterhin als “die beste aller möglichen Welten” darzustellen. Wie weit das von der Wahrheit entfernt ist, hatte schon Nietzsche erkannt. Obwohl ihm das erforderliche Basiswissen noch fehlte, kam er zu einem ganz erstaunlichen Ergebnis, wobei betont werden muss, dass das folgende Zitat nicht als Beschimpfung, sondern als das Resume einer umfassenden und ehrlichen Analyse zu verstehen ist:

    “Diese ewige Anklage des Christentums will ich an alle Wände schreiben, wo es nur Wände gibt, – ich habe Buchstaben, um auch Blinde sehend zu machen… Ich heiße das Christentum den Einen großen Fluch, die Eine große innerlichste Verdorbenheit, den Einen großen Instinkt der Rache, dem kein Mittel giftig, heimlich, unterirdisch, klein genug ist, – ich heiße es den Einen unsterblichen Schandfleck der Menschheit…”

    Nach neuesten Erkenntnissen war allerdings nicht Friedrich Nietzsche “Der Antichrist”, sondern es ist die ganze halbwegs zivilisierte Menschheit, die sich “christlich” nennt:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2018/01/religion-oder-leben.html

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