Die Idee hinter Im Gesprae.ch – Neutralität, Kritik und Hinterfragen

Der deutsche Journalist und Moderator der ARD-Tagesthemen Hanns Joachim Friedrichs (1927 – 1995) sagte einst in einem Spiegel-Interview (März 1995):

“Das hab’ ich in meinen fünf Jahren bei der BBC in London gelernt: Distanz halten, sich nicht gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten, nicht in öffentliche Betroffenheit versinken, im Umgang mit Katastrophen cool bleiben, ohne kalt zu sein. Nur so schaffst du es, daß die Zuschauer dir vertrauen, dich zu einem Familienmitglied machen, dich jeden Abend einschalten und dir zuhören.”

Fälschlicherweise wird dieser Satz gerne abgekürzt wie folgt zitiert:

“Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört.”

Letztlich spielt es aber keine Rolle, ob man das ganze Zitat oder seine verkürzte Fassung aufgreift, um zu verdeutlichen, dass Journalismus eine berichtende Aufgabe verfolgen sollte. Berichtend in Form der Neutralität, der Kritik, des Hinterfragens und auch des Ausleuchtens eines Themas. Dabei darf kein “Thema, um des Themas selbst” unter den Tisch fallen. Natürlich gibt es Themen, die schwierig sind. Vielleicht sogar in Konflikt mit dem Gesetz stehend. Aber ist es nicht gerade die Aufgabe des Journalismus, Missstände zu benennen, sie anzusprechen und publik zu machen. Selbst wenn dabei “bestimmte Kreise” in ihrem Tun gestört werden? Selbst wenn man dabei den Mächtigen und Wichtigen auf die Füße tritt?

Gerade in der heutigen Zeit entpuppt sich der klassische Journalismus immer mehr als ein Stilmittel der Propaganda, um unangenehme Meinungen, Entwicklungen und Strömungen auszugrenzen, ihnen ein Etikett zu verpassen, sie in eine Ecke zu stellen. So dass immer weniger Menschen sich trauen auch die Welt neben dem Mainstream zu entdecken und vielleicht die darin auffindbaren Inhalte als einen anderen Denkansatz verstehen und schlimmstenfalls sogar selbst ins Überlegen kommen.